Ratgeber · Social Media Marketing

Social Media in der Landwirtschaft: In fünf Schritten von Content zu Kunden.

Social Media Marketing in der Landwirtschaft bedeutet, mit authentischen Inhalten aus Stall und Feld Reichweite in der landwirtschaftlichen Zielgruppe aufzubauen und Interessenten gezielt bis in den Vertrieb zu führen. Dieser Leitfaden zeigt den Prozess, mit dem Josef Agrar Betriebe und Landtechnik-Händler begleitet.

Von Josef Stummer, Agrarvideograf Aktualisiert: Lesezeit: ca. 6 Minuten
Josef Agrar: Aus Aufmerksamkeit werden echte Vertriebschancen
Der Prozess von Josef Agrar: Content, Reichweite, Interesse, Lead, Vertrieb.

Warum bringen Produktposts in der Landwirtschaft so wenig Reichweite?

Die meisten Landtechnik-Händler und Agrarunternehmen posten vor allem Produkte: einen Traktor mit Leistungsdaten, eine Rundballenpresse, einen Futtermischwagen mit Preisangabe. Das ist viel Produktmarketing, bringt aber wenig organische Reichweite. Der Grund liegt in der Funktionsweise der Plattformen. Instagram, Facebook und TikTok zeigen Inhalte bevorzugt dann weiter, wenn Menschen sie ansehen, kommentieren und teilen. Ein Katalogbild erfüllt das selten, weil es keine Geschichte erzählt und keinen Grund liefert, stehen zu bleiben.

Social Media kann deutlich mehr, wenn es nicht als Schaufenster, sondern als Teil des Vertriebs verstanden wird. Dann zählt nicht die Zahl der Posts, sondern ob aus Aufmerksamkeit echte Anfragen entstehen.

Schritt 1: Welcher Content funktioniert in der Landwirtschaft?

Content für die Landwirtschaft muss vor allem zwei Dinge sein: authentisch und unterhaltsam. Authentisch heißt, echte Menschen bei echter Arbeit zu zeigen, im Stall, auf dem Feld, bei der Ernte. Landwirte erkennen sofort, ob eine Szene gestellt ist oder ob jemand die Abläufe kennt. Unterhaltsam heißt, dass das Video in den ersten Sekunden fesselt, etwa durch einen Häcksler im Einsatz, eine ruhige Drohnenfahrt über das Feld oder einen Landwirt, der erzählt, was eine neue Maschine auf seinem Betrieb verändert hat.

Am besten funktionieren kurze Videos im Hochformat 9:16 als Reels. Technik wird dabei nicht beworben, sondern im Einsatz gezeigt. Genau dieses Material entsteht, wenn ein Agrarvideograf direkt am Betrieb dreht.

Schritt 2: Wie entsteht organische Reichweite in der Zielgruppe?

Reichweite entsteht, wenn Inhalte von der richtigen Zielgruppe angesehen und weiterempfohlen werden. Für einen Landtechnik-Händler sind hunderttausend Aufrufe aus der Stadt wertlos, ein paar tausend Aufrufe von Landwirten aus der eigenen Region dagegen sehr wertvoll. Entscheidend ist deshalb, dass der Content fachlich stimmt und Themen aufgreift, die Landwirte beschäftigen: Arbeitszeit, Wirtschaftlichkeit, Technik im Alltag.

Regelmäßigkeit ist wichtiger als Perfektion. Ein planbarer Rhythmus über Wochen und Monate baut Vertrauen auf, einzelne Glückstreffer nicht. Bezahlte Kampagnen auf Meta können die Reichweite zusätzlich gezielt auf eine Region oder Betriebsgröße lenken, ersetzen aber keinen guten Content.

Schritt 3: Wie wird aus Reichweite echtes Interesse?

Aus Reichweite wird Interesse, wenn interessierte Personen gezielt zum nächsten Schritt geführt werden. Viele Betriebe hören nach dem Video auf: Wer sich für die gezeigte Technik interessiert, weiß nicht, was er als Nächstes tun soll, und scrollt weiter. Deshalb braucht jeder Inhalt einen klaren nächsten Schritt.

Bewährt hat sich eine eigene Landingpage statt einer allgemeinen Startseite. Sie greift genau die Frage auf, die das Video aufgeworfen hat, etwa ob sich Automatisierung für den eigenen Betrieb lohnt. Wer dort ankommt, hat bereits Interesse gezeigt und erwartet eine konkrete Antwort, keine Produktübersicht.

Schritt 4: Wie gewinnt man qualifizierte Leads?

Ein qualifizierter Lead entsteht mit wenigen Fragen, die klar zeigen, ob jemand wirklich passt. Statt eines langen Kontaktformulars fragt eine Landingpage zum Beispiel nach Betriebsgröße, Region und Interesse. Das dauert unter einer Minute und liefert dem Vertrieb sofort die wichtigsten Informationen.

Damit Interessenten ihre Kontaktdaten angeben, brauchen sie einen echten Mehrwert. Das kann eine Case Study eines vergleichbaren Betriebs sein, ein Wirtschaftlichkeitsrechner mit individueller Kalkulation oder individuell entwickelte Inhalte wie ein Video oder eine Checkliste. Wichtig ist, dass der Mehrwert zur Frage aus dem Video passt und unverbindlich bleibt. So entstehen Kontakte, die bereits wissen, worum es geht.

Schritt 5: Wie kommt der Lead in den Vertrieb?

Der Lead landet strukturiert erfasst im CRM, also in einer Lead-Pipeline mit klaren Stufen wie neue Leads, im Vertrieb und Abschluss. So geht keine Anfrage verloren, und der Vertrieb sieht auf einen Blick, wer sich wofür interessiert und wie groß der Betrieb ist.

Erst dieser Schritt macht Social Media messbar. Statt nur Aufrufe und Likes zu zählen, lässt sich nachvollziehen, wie viele Anfragen und Abschlüsse aus den Inhalten entstanden sind. Damit wird Social Media zu einem planbaren Vertriebskanal: Aus Aufmerksamkeit werden echte Vertriebschancen.

Welche typischen Fehler sollten Agrarbetriebe vermeiden?

Die häufigsten Fehler im Social Media Marketing der Agrarbranche sind leicht zu vermeiden. Erstens: nur Produktbilder statt Technik im echten Einsatz. Zweitens: unregelmäßiges Posten, etwa nur zur Messe oder bei neuen Maschinen. Drittens: Videos ohne nächsten Schritt, sodass Interessierte nicht wissen, wie sie Kontakt aufnehmen sollen. Viertens: Anfragen, die per Nachricht, E-Mail und Telefon verstreut ankommen und im Alltag untergehen.

Und fünftens: Inhalte ohne Fachwissen. Landwirte sind ein kritisches Publikum. Wer die Abläufe am Betrieb nicht kennt, verliert schnell an Glaubwürdigkeit. Deshalb lohnt es sich, Inhalte von jemandem produzieren zu lassen, der aus der Landwirtschaft kommt.

Josef Stummer

Josef StummerAgrarvideograf und Spezialist für Social Media Marketing in der Landwirtschaft. Aufgewachsen in einer bäuerlichen Umgebung, begleitet er mit Josef Agrar Betriebe und Landtechnik-Händler wie das Lely Center Enns von der Videoproduktion bis zur Kampagne.

Häufige Fragen

Fragen zu Social Media in der Landwirtschaft.

Welche Plattformen eignen sich für Social Media in der Landwirtschaft?

Für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe und Landtechnik-Händler stehen Instagram und Facebook im Mittelpunkt, also die Plattformen von Meta, inklusive bezahlter Werbung. Je nach Zielgruppe kommen TikTok für jüngere Landwirte und YouTube für längere Praxisvideos dazu.

Lohnt sich Social Media für Landtechnik-Händler?

Ja, wenn Social Media mit dem Vertrieb verbunden ist. Praxisvideos beim Kunden zeigen Technik im echten Einsatz, und eine Landingpage mit wenigen Fragen macht aus Interessierten qualifizierte Anfragen, die im CRM landen.

Wie oft sollte ein landwirtschaftlicher Betrieb posten?

Wichtiger als eine feste Zahl ist ein Rhythmus, der sich dauerhaft halten lässt. Regelmäßige Inhalte über Wochen und Monate bauen Vertrauen auf. Einzelne Posts zur Messe oder bei neuen Maschinen reichen dafür nicht.

Brauche ich für gute Agrarvideos eine Agentur?

Nicht zwingend, aber Fachwissen ist entscheidend. Ein Agrarvideograf mit landwirtschaftlichem Hintergrund kennt die Abläufe am Betrieb, plant Drehs um Arbeit, Wetter und Erntefenster und filmt Technik so, dass sie fachlich stimmt.

Du willst diesen Prozess für deinen Betrieb?

Erzähl mir, was du zeigen und wen du erreichen willst. Ich melde mich zeitnah mit einem Vorschlag zurück.

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